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Das Jahr der Barmherzigkeit im Bistum Osnabrück

Am 8. Dezember 2015, genau fünfzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils, hat Papst Franziskus in Rom das Heilige Jahr der Barmherzigkeit eröffnet. Es weist viele Parallelen zum Jahr des Aufatmens auf. Drei Fragen dazu an Liturgiereferent Stephan Winter. Er ist im Bistum Osnabrück der Ansprechpartner für das Jahr der Barmherzigkeit.

Welche Verbindung gibt es zwischen dem Jahr des Aufatmens im Bistum Osnabrück und dem Jahr der Barmherzigkeit, das Papst Franziskus ausgerufen hat?

Das Motto für das „Jahr des Aufatmens“ ist dem biblischen Buch Exodus entnommen. Dort bekommt das Volk Israel, nachdem Gott ihm die Befreiung von der Sklaverei in Ägypten geschenkt hat, eine Ordnung für ein gutes Leben: für das eigene Leben, aber auch dafür, wie das Volk das Leben der Fremden, sogar der Tiere und aller anderen Geschöpfe fördern kann – „… damit sie zu Atem kommen“, heißt es im 23. Kapitel, Vers 12. Das besondere Jahr im Bistum will dazu einladen, innezuhalten und andere zu Atem kommen zu lassen. Das setzt aber eben voraus, sich selber wieder neu des Lebensatems und Gottes als dessen Ursprung bewusst zu werden. Beim „Jahr der Barmherzigkeit“ sehe ich einen ähnlichen Grundgedanken. Barmherzigkeit ist zuerst eine Eigenschaft Gottes: Er weiß, was ein Mensch gerade nötig hat, um gut leben zu können, und das schenkt er großherzig in bedingungsloser Liebe. Dazu braucht es keine vorherige Leistung seitens des Menschen. Und wir sind eingeladen, miteinander genauso umzugehen: großherzig zu sein, bereit, den anderen Menschen und den Mitgeschöpfen das zu geben, was sie jeweils zum Leben brauchen.

Mancher befürchtet, statt Atem zu holen sorgt das „Jahr der Barmherzigkeit“ für neue Aktivitäten.

Um großherzig zu sein oder immer mehr zu werden, muss ich schon etwas investieren, mich in diese Grundhaltung einüben. Ich muss die Fähigkeit zur Liebe, die Gott in mich hineingelegt hat, wirklich zur Entfaltung kommen lassen. Und wenn ich nichts dafür tue, kann diese Fähigkeit auch verkümmern. In diesem Sinne kann es schon zusätzliche Aktivitäten für den Einzelnen geben. Aber die sollten gerade nicht zu einem Aktionismus führen so nach dem Motto: „Viel hilft viel“. Wie es der Bischof schon häufiger erwähnt hat: Letztlich geht es nicht darum, nach etwas zu suchen, was ich noch zusätzlich machen kann, sondern einen neuen Blick auf das zu wagen, was wir tun, und herauszufinden, was uns näher zu Gott und zueinander bringt, und was uns daran eher hindert.

Also kein neuer Stress?

Nein, niemand soll in den nächsten Monaten stärker in Zeitnot geraten oder atemlos werden. Für mich stellt sich die Frage, ob wir die Chance ergreifen, die sich durch den Impuls des Papstes bzw. des Bischofs ergibt.

Weitere Informationen zum Jahr der Barmherzigkeit finden Sie auf der Bistumshomepage, auf bistum.net oder auf den Seiten der Deutschen Bischofskonferenz.

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